Kirchenzeit
Dienstag, 9. August 2011
Kirchenzeit
Es ist an der Zeit, sich mit der Kirche zu beschäftigen. Allerhöchste Zeit!
Das Datum des Papstbesuchs rückt näher und viele Menschen sind gespannt. Nicht nur in den Orten und Städten, die die zweifelhafte Ehre haben, einen Teil seines Besuchs zu sein. Nein, ein Großteil der Menschen, die sich je mit dem Glauben an sich beschäftigt haben, interessiert sich für seine Rede samt möglichem Inhalt im Bundestag oder fragt sich, in welchem Maße Demonstrationen stattfinden (dürfen).

Dabei sollte man sich jedoch zuerst fragen, warum das Oberhaupt einer Glaubensgemeinschaft überhaupt im Parlament eines säkularen Staates sprechen darf. Es spricht nichts dagegen, dass ein religiöses Oberhaupt ein Land besucht, in dem Anhäger dieser Religion beheimatet sind. Vor allem nicht hier in Mitteleuropa, wo die Religionsfreiheit gesetzlich garantiert wird. Warum trägt aber der Staat (also wir alle) die Kosten des Besuchs und nicht die katholische Kirche als betroffene Religionsgemeinschaft?

Doch zunächst zur Rede im Bundestag. Worüber wird er sprechen? Da gibt es nur eine Möglichkeit: Die aktuellen Probleme in der Gesellschaft und der Politik, welche nur die Rückbesinnung auf christliche Werte als Lösung besitzen plus einem eventuellen Seitenhieb auf Andersgläubige, speziell Ungläubige. Also reine Missionspropaganda. Dass der Bundestag dafür der absolut falsche Ort ist, steht außer Frage.
Aber die Mission scheint in den Augen der katholischen Kirche bitter notwendig zu sein. Ca. 30% der Deutschen sind offiziell katholisch (also getauft und nicht ausgetreten), aber nur ca. 2%, also 400.000 sind aktiv katholisch.

Die Kosten des Papstbesuch werden 25 - 30 Millionen Euro betragen, eine Summe, die zweifelsohne besser investiert werden könnte. Aber verglichen mit den Staatsleistungen, welche jährlich den Kirchen zufließen, sind das geradezu Peanuts. Allein 2009 erhielten die Kirchen ca. 540 Millionen Euro, und das, obwohl sich die Kirchensteuereinnahmen auf ca. 9 Milliarden belaufen. Somit müsste es doch ein leichtes sein, 0,3% des Einkommens für den Besuch des Chefs zu investieren.
Zusammenfassend muss betont werden, dass ca. 1/3 der Kirchensteuer durch die Abzugsfähigkeit derselben vom Staat getragen werden und dies deshalb als zusätzliche Subvention gesehen werden muss.

Warum aber erhalten Kirchen neben der Kirchensteuer von ihren Mitgliedern Geld vom Staat?
Dies geht auf die Säkularisation von 1803 zurück. Und obwohl schon in der Weimarer Verfassung von 1919 und im Grundgesetz von 1949 die Ablösung der seitdem erfolgten Zahlungen vorgeschrieben ist, zahlt der deutsche Staat weiter. Kein aktueller Politiker traut sich, diesen Verfassungsauftrag anzugehen, womöglich kennt er diesen nicht einmal.

Wie gesagt, es ist an der Zeit. Zeit, sich mit der Kirche zu beschäftigen. Jeder muss sich mit einem Thema beschäftigen, um es beurteilen zu können. Darum ist es höchste Zeit.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Online seit 5349 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2011.08.09, 21:57
status
Menu
Suche
 
Kalender
April 2026
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 6 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
Letzte Aktualisierungen
Kirchenzeit
Es ist an der Zeit, sich mit der Kirche zu beschäftigen....
by tschmid (2011.08.09, 21:57)

xml version of this page

made with antville